Eine 61-jährige Frau stellte sich mit akutem Sehverlust im rechten Auge vor, der seit 1 Tag bestand. Ihre Krankengeschichte umfasste Bluthochdruck, Hirnaneurysma und Alzheimer-Demenz. Sie erhielt eine Woche lang oral Aciclovir gegen Herpes zoster-Infektionen, die den Trigeminusnerv betrafen. Bei der Erstuntersuchung lag die Sehschärfe bei 1 Fingerzeig im rechten Auge und 16/20 im linken Auge. Die entsprechenden intraokularen Druckwerte lagen bei 13 mmHg bzw. 12 mmHg. Bei der körperlichen Untersuchung stellte sich die Patientin mit Vesikeln an der rechten Stirn, am Kopf und am oberen Augenlid vor. Die Biomikroskopie mit Spaltlampe zeigte eine Konjunktivalepithelhyperämie und eine leichte Hornhauterosion im rechten Auge. Entzündungszellen mit Grad 1+ waren in der Vorderkammer vorhanden. Bei der Untersuchung des Fundus wurden mehrere entzündliche Läsionen am hinteren Pol sowie ein exsudativer Ablösung der Makula festgestellt. Das linke Auge wies keine Auffälligkeiten auf. Die optische Kohärenztomographie (OCT) zeigte polymorphe hyperfluoreszenzförmige Veränderungen im Spätphasen. Eine Fluoreszenzangiographie (FA) zeigte ein gesprenkelten Muster der Hyperfluoreszenz in der Spätphase. Eine gemischte Hyper- und Hypo-Permeabilitäts-Muster wurden in der frühen und späten Phase der Indocyaningrün-Angiographie (ICG) beobachtet. Die Analyse der intraokularen Flüssigkeit mittels Polymerase-Kettenreaktion ergab eine VZV-positive und eine negative Probe für Herpes simplex Typ 1/2 und Cytomegalovirus. Die übrigen Laboruntersuchungen, einschließlich Blutbild und Leber- und Nierenfunktion sowie Angiotensin-Converting-Enzym, ergaben normale Befunde. Die Serologie für Syphilis, Toxoplasmose und humanes Immundefizienzvirus (HIV) ergab negative Befunde. Die Patientin wurde mit VZV-assoziierter Chorioretinitis diagnostiziert und in die Klinik eingewiesen. Die intravenöse Gabe von Aciclovir wurde sofort eingeleitet. Oral Prednisolon (30 mg) wurde zur Linderung der Entzündungsreaktion und zur langsamen Reduzierung der Dosis hinzugefügt. Die topische Ganciclovir-Salbe wurde für eine schnellere intraokuläre Penetration verwendet, und es wurden auch topische Steroide verwendet. Nach 2 Wochen Behandlung mit intravenösem Aciclovir verschwand die Läsion mit einer Wellenform des RPE und die Sehschärfe im rechten Auge verbesserte sich auf 20/20.